Preisverleihung

von li. nach re.: Wolfgang Mayer-Ernst, Andreas Hoffmann-Richter, Romeo Franz, Petra Pau, Peter Langer, Rosa Gitta Martl, Ilona Lagrene, Daniel Strauß

 

Seit 2014 vergibt der Verband Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Baden-Württemberg den Kultur- und Ehrenpreis der Sinti und Roma für besondere Verdienste in den Bereichen Kultur, Bildung und Bürgerrechte. Uns ist es ein wichtiges Anliegen, Personen zu ehren, die sich für die Belange der Minderheit einsetzen. Mit dem Staatsvertrag in Baden-Württemberg erfahren Sinti und Roma Anerkennung auf Augenhöhe. Doch Sinti und Roma sind auch immer noch „die am stärksten diskriminierte Minderheit Europas“ (Ministerpräsident Winfried Kretschmann). Das Engagement für Sinti und Roma, für ihre gleichberechtigte Teilhabe in Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und Kultur, bleibt eine unverzichtbare Arbeit. Dieses Engagement, sowohl von Menschen mit Romani-Hintergrund als auch aus der „Mehrheitsgesellschaft“, will der VDSR-BW mit diesem Preis auf besondere Weise öffentlich würdigen. Die Preisverleihung findet immer am Tag der ersten urkundlichen Erwähnung von Sinti und Roma in Deutschland statt: dem 20. September 1407 in Hildesheim. Auf dem Gebiet des heutigen Bundeslandes Baden-Württemberg wurden Sinti und Roma erstmals während des Konzils von Konstanz (1414-1418) erwähnt. Diese frühen Zeugnisse stehen zugleich für ein konfliktfreies Miteinander und gegenseitige Anerkennung. Auch die Preisträger*innen unseres Kultur- und Ehrenpreises kommen nicht nur aus dem Südwesten, sondern haben sich in ganz Deutschland und Europa für die Minderheit eingesetzt.

 

Preisträger*innen

 

2019

  • Petra Pau │ Für ihren Einsatz für die gleichberechtigte Teilhabe von Sinti und Roma in Europa

– Laudatio: Romeo Franz, MdEP (Laudatio downloaden)

Petra Pau, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, engagiert sich seit vielen Jahren und Jahrzehnten gegen Antiziganismus und für die Bürgerrechte von Sinti und Roma in Europa. Sie setzt und setzte sich entschieden für aktive Erinnerung und Aufarbeitung des Völkermords an den Sinti und Roma ein. Petra Pau hat in ihrem Engagement daran mitgewirkt, den 2. August als Tag des Gedenkens an den Genozid an den Sinti und Roma in der deutschen Öffentlichkeit fest zu verankern.

 

  • Rosa Gitta Martl │ Für ihr kulturelles Engagement und literarisches Werk

– Laudatio: Ilona Lagrene, Autorin, Bürgerrechtlerin, frühere Landesvorsitzende des Verbands Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Baden-Württemberg e.V.

Gitta Martl ist Mitbegründerin und langjährige Geschäftsführerin des Vereins Ketani, der im Jahr 1998 gegründet wurde und die Interessen der in Österreich lebenden Roma und Sinti vertritt. „Ketani“ bedeutet „gemeinsam“ und verweist auf den Grundsatz des Vereins: Gemeinsam mit allen Bürger*innen Österreichs die Wunden der Vergangenheit zu bewältigen und für eine gemeinsame, friedliche Zukunft zu arbeiten. Für ihren großen Einsatz für Roma und Sinti erhielt sie bereits den Elfriede-Grünberg-Preis, den Marianne-von-Willemer-Preis, den Demokratiepreis der Margaretha-Lupac-Stiftung sowie 2013 das goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich. Gitta Martl ist Autorin und erhielt kürzlich den Roma-Literaturpreis des österreichischen P.E.N.-Clubs.

 

  • Andreas Hoffmann-Richter │ Für sein langjähriges Engagement im Bereich Bildung

– Laudatio: Wolfgang Mayer-Ernst, Studienleiter, Evangelische Akademie Bad Boll (Laudatio downloaden)

Pfarrer Dr. Andreas Hoffmann-Richter ist Beauftragter für die Zusammenarbeit mit Sinti und Roma der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. In den 80er und 90er Jahren war er im Buraku-Befreiungszentrum in Kyoto tätig. 1989 gründete er den Arbeitskreis „Sinti/Roma und Kirchen“ in Baden-Württemberg. Der Arbeitskreis setzt sich dafür ein, Diskriminierung und Vorurteile allgemein und insbesondere gegenüber Sinti und Roma in der Gesellschaft und auch in den Kirchen wahrzunehmen, kenntlich zu machen und zu überwinden. Besonders im Bildungsbereich engagiert sich Dr. Andreas Hoffmann-Richter und betreut Schulprojekte, erstellt Lehrmaterialien und erforscht u.a. den religiösen Antiziganismus.

 

Fotos der Preisverleihung hier ansehen.

 

2017

Von li. nach rechts (2017): Henri Franz, Daniel Strauß, Prof. Rita Süssmuth, Prof. Gert Weisskirchen

Henri Franz, Vorsitzender des Landesverbands Deutscher Sinti und Roma Berlin-Brandenburg

für seinen Kampf für gleichberechtigte Teilhabe von Sinti und Roma in Berlin. Als Gründungsmitglied und Vorsitzender der 1978 gegründeten „Cinti Union Berlin e.V.“ – heute Landesverband Deutscher Sinti und Roma Berlin-Brandenburg – legte er dazu die Grundlage.

– Laudatio von Romeo Franz, Geschäftsführer der Hildegard Lagrenne Stiftung

 

Prof. Gert Weisskirchen, MdB a.D.

für seinen Kampf, den gesellschaftlichen Antiziganismus in das öffentliche Bewusstsein zu tragen. Seine Unterstützung bei der Institutionalisierung der ersten „Forschungsstelle Antiziganismus“ an der Universität Heidelberg war dabei maßgebend.

– Laudatio von Prof. Rita Süssmuth, Bundestagspräsidentin a.D.

 

Prof. Rita Süssmuth, Bundestagspräsidentin a.D.

für ihr Wirken bei der Entwicklung der Bürgerrechtsbewegung der Sinti und Roma in den 80er Jahren. Bei der Realisierung des „Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma“ und auch beim Aufbau der Hildegard Lagrenne Stiftung leistete sie unschätzbare Unterstützung.

– Laudatio von Prof. Gert Weisskirchen, MdB a.D. (download Laudatio)

 

Fotos der Preisverleihung hier ansehen.

 

2016

Von li. nach rechts (2016): Romeo Franz, Ernst Schilling, Claudia Roth, Zoni Weisz, Daniel Strauß, Uwe Neumärker

Zoni Weisz, Repräsentant der niederländischen Floristik und Überlebender des Holocaust

für sein Engagement im Bereich Kultur und Erinnerung.

– Laudatio von Uwe Neumärker, Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas (Laudatio downloaden)

 

Ernst Schilling, Bürgermeister von Herbolzheim

für sein Engagement im Bereich gleichberechtigte Teilhabe.

– Laudatio von Romeo Franz, Geschäftsführer der Hildegard Lagrenne Stiftung (Laudatio downloaden)

 

Claudia Roth, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages

für ihr Engagement gegen Antiziganismus.

– Laudatio von Daniel Strauß, Vorsitzender des Verbands Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Baden-Württemberg (Laudatio downloaden)

 

2015

Dr. h.c. Manfred Lautenschläger, Gründer der Manfred Lautenschläger-Stiftung

für sein persönliches Engagement zur Verbesserung der bürgerrechtlichen Teilhabe.

 

Lita Cabellut, Malerin

für ihr kulturelles Schaffen in Auseinandersetzung mit ihrer Identität als Romni.

– Laudatio von Moritz Pankok, Galerie Kai Dikhas Berlin (Laudatio downloaden)

 

Christian Petry, Kuratoriumsmitglied der Freudenberg Stiftung

für seine jahrzehntelange Unterstützung für eine gleichberechtigte Bildungsteilhabe.

– Laudatio von Dr. Ulrike Freundlieb, Bürgermeisterin Mannheim

 

Fotos und Bericht der Preisverleihung hier ansehen.

 

2014

Prof. Dr. Wilhelm Prinz zu Solms-Hohensolms-Lich, Mitgründer der Gesellschaft für Antiziganismusforschung e.V.

für seinen Beitrag in der Antiziganismusforschung.

 

Thomas Flach, Landesentschädigungsamt Hessen

für seinen engagierten und zugleich sensiblen Einsatz in der Wiedergutmachung im Rahmen des NS-Härtefonds der hessischen Landesregierung. (Stichpunkte zur Laudatio)

 

Viviane Reding, Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, EU-Kommissarin für das Ressort Justiz, Grundrechte, Bürgerschaft

für ihr rechtsstaatliches Engagement.

 

Den Bericht zur Preisverleihung hier nachlesen.